Natur- und Artenschutz

Schätzungsweise sterben täglich etwa 150 Tier- und Pflanzenarten unter dem Einfluss des Menschen aus. Über 5.000 Tierarten sind heute an der Grenze der Ausrottung. Die meisten von ihnen sind bedroht, da sie sehr empfindlich auf Änderungen ihres Lebensraums reagieren. Dementsprechend läuft das Artensterben heute tausendmal schneller ab als in der Zeit vor dem Einfluss des modernen Menschen. Artenschutz ist deshalb wichtig wie noch nie und wir haben eine Verantwortung für das Überleben der Artenvielfalt.

Zu den Hauptaufgaben eines Zoos gehört auch der Arten- und Naturschutz. Der Zoo Schmiding ist hier auf verschiedene Weise aktiv, so z.B.  mit Zuchtprogrammen,  der Unterstützung von Auswilderungsprojekten,  mit Spenden-Aktionen oder Kampagnen gemeinsam mit anderen EAZA-Zoos (European Association of Zoos and Aquaria). Eine wichtige Rolle dabei spielen Spendensammlungen, das heißt, dass auch die Besucher des Zoo Schmiding helfen können, Artenschutzprojekte gezielt zu unterstützen.

Zoos weltweit Hand in Hand für den Artenschutz (WAZA)

Weltweit arbeiten moderne Zoos Hand in Hand für den Artenschutz. Sie verwirklichen damit die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie, ein Dokument der Welt-Zoo-Organisation WAZA (www.waza.org), zu der auch der Zoo Schmiding gehört. Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie wurde von internationalen Fachleuten verfasst und setzt als übergeordnetes Ziel der Zoos den Erhalt der natürlichen Vielfalt. Dabei wird eine Kombination aus Erhaltungszucht von seltenen Tieren in Zoos und dem Erhalt ihrer Lebensräume im Freiland angestrebt.

 

Arterhaltung in Zoos

Die Aufgabe der Zoologischen Gärten besteht schon lange nicht mehr nur darin, dem Besucher möglichst exotische Tiere zu präsentieren. Eine zentralste Aufgabe eines modernen Zoos ist es, mittels einer kontrollierten Zucht einen Beitrag zur Erhaltung bedrohter Arten zu leisten. Dabei werden Populationen von Wildtieren über viele Generationen hinweg gezielt so gezüchtet, dass Inzucht und Verlust genetischer Variabilität vermieden werden. Dadurch bleiben Tiere mit ihren natürlichen, ursprünglichen Merkmalen erhalten und stehen so für Artenschutzbemühungen, wie z.B. Wiedereinbürgerungsprojekte, auch auf lange Sicht zur Verfügung.

Ein striktes Zuchtmanagement von exotischen Tieren ist jedoch nur durch eine Kooperation der Zoos möglich. Deshalb wurden weltweit Programme ins Leben gerufen, die sich ausschließlich der Zucht bedrohter Tierarten in Menschenobhut widmen. Für den europäischen Raum wurden 1985 die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEPs) gegründet, bei denen Zoos in Europa ihre Tierzuchten gezielt koordinieren (www.eaza.net). Aus den ursprünglich 17 EEPs sind inzwischen über 250 Zuchtprogramme geworden und es werden ständig mehr. Zahlreiche Arten im Zoo Schmiding sind Teil eines solchen EEPs, zum Beispiel die Kleinen Pandas, Sibirische Tiger, Mönchsgeier und Flachlandgorillas.

 

Schutzmaßnahmen im natürlichen Lebensraum

Der Zoo Schmiding setzt sich nicht nur ex situ für den Artenschutz ein, d.h. durch Haltung und Zucht bedrohter Tierarten im Zoo, sondern auch in situ, also im natürlichen Lebensraum der Tiere. Hier einige Beispiele:

Berggorillas

Gorillas zählen zu den charismatischsten und beeindruckendsten Tieren unseres Planeten. Trotzdem sind sie vom Aussterben bedroht. Anders als bei den Flachlandgorillas, sind bei Berggorillas allerdings Schutzmaßnahmen im natürlichen Lebensraum möglich. In Schutzgebieten werden die Gorillagruppen kontinuierlich beobachtet und bewacht. Was allerdings fehlt sind Medikamente und medizinische Geräte zur Behandlung erkrankter oder verletzter Tiere. Der Verein Endangered (www.endangered.at ) hat sich zur Aufgabe gesetzt, mit Hilfe von Spendengeldern die fehlenden Dinge in Österreich zu kaufen und direkt zu den Gorillaschutzstationen in Ruanda zu bringen. Der Verein wird bei seiner Arbeit auch intensiv vom Zoo Schmiding unterstützt (siehe auch Zoo News August 2005). Die Beschilderung in der Gorilla Bai im Zoo Schmiding informiert ausführlich über den Artenschutz der Berg- und Flachlandgorillas.

Waldrapp

Waldrappe waren bis ins Mittelalter in Europa heimisch und auch auf Österreichs Fluren weit verbreitet. Heute sind sie bei uns ausgestorben und zählen zu den bedrohtesten Tierarten der Erde. Die wenigen verbleibenden Freilandpopulationen verschwinden in erschreckendem Ausmaß. Erfreulicherweise können Zoos wie der Zoo Schmiding gute Erfolge im Züchten von Waldrappen verzeichnen. Die dort aufgezogenen Tiere schaffen die Grundlage für Wiedereinbürgerungen der Art – ganz aktuell auch im Alpenraum!
Die Aktivitäten des Waldrappteams.at (www.waldrappteam.at) gingen letztes Jahr durch die internationale Presse, als sie junge Waldrappe dazu trainierten, ihren Zieheltern, die in einem Leichtflugzeug saßen, über die Alpen zu folgen. Einige Küken der nächsten Generation wurden heuer in Schmiding aufgezogen.
Das Waldrappteam.at wird außerdem von der Österreichischen Zoo Organisation (OZO: www.ozo.at) unterstützt, bei dem der Zoo Schmiding als aktives Mitglied fungiert.

Krallenaffenprojekt

Der Zoo Schmiding betreibt in Zusammenarbeit mit dem Münchner Tiergarten Hellabrunn (www.zoo-munich.de ) ein interessantes Zuchtprogramm zur Erhaltung bedrohter brasilianischer Kleinaffen. Die Zuchtstation wurde in Brasilien in einem über 100 Jahre alten Sekundärurwald in der Gemeinde Itatiba, Bundesstaat Sao Paulo errichtet. Aufgrund der raschen Zerstörung seines Lebensraumes ist das Weißohrseidenäffchen (Callithrix aurita) extrem bedroht und wird auf Liste 1 des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgeführt. Die Errichtung der Zuchtanlagen inmitten des natürlichen Biotops dieser Art bringt einen großen Vorteil für die im Jahr 2006 geplante Wiederaussiedelung, da diese direkt von der Zuchtanlage in das zukünftige Habitat erfolgen kann, wo noch eine kleine Gruppe von freilebenden Weißohrseidenaffen lebt. Zwei weitere Arten von Krallenäffchen wurden in die Zuchtstation aufgenommen: Silberäffchen (Callithrix argentata) und Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus rosalia chrysomelas). Sie sind Teil des Krallenaffen Artenschutzprojekts und bilden die Grundlage für ein Zuchtprogramm. Goldkopflöwenäffchen leben in den Wäldern eines sehr kleinen Küstenstreifens im Süden des Staates Bahia in Brasilien. Durch Vernichtung der Wälder stehen ihnen heute nur noch 2% ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes zur Verfügung, und sie sind daher stark vom Aussterben bedroht. Es soll weniger als 500 Tiere geben und der Trend ist sinkend. Ein Großteil davon lebt in menschlicher Obhut. In Zoos sind Goldkopflöwenäffchen ausgesprochen selten zu sehen, werden aber in der Zuchtstation in Brasilien erfolgreich gezüchtet.

OUR OCEAN – Aquarien der Welt gegen Meeresmüll

Ozeane bedecken 71% der Erdoberfläche und machen die Erde für die Menschheit bewohnbar. Mehr als 3 Milliarden Menschen sind in ihrem täglichen Leben direkt von den Meeren abhängig. Die weltweite Verschmutzung der Meere ist eine wachsende globale Herausforderung mit akuten ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

 

Die Ozeane sind weit entfernt, die Auswirkungen jedoch nicht

Vor allem Plastikmüll häuft sich weltweit in alarmierendem Ausmaß. Jedes Jahr gelangen ca. 10 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Wasser, das bedeutet pro Minute etwa eine LKW Ladung Müll. Mittlerweile treibt z.B. im Pazifik ein Müllteppich mit der Größe von Mitteleuropa.

 

Kleine Plastikpartikel, großer Schaden

Das ist nicht folgenlos für unsere Ozeane und seine Bewohner. Plastik das viele Jahre (Lebensdauer von Plastik ist bis zu 450 Jahre) auf der Reise in den Ozean ist, wird zerrieben, durch Sonnenstrahlung zersetzt und von Bakterien zerfressen – der Müll wird zu Mikroplastik, also zu Teilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Mikroplastik wird von den Fischen für Plankton gehalten (kein Wunder, findet sich doch an manchen Stellen schon sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meerwasser) und als Nahrung aufgenommen. Damit gelangt es in die Nahrungskette und zuletzt auf unsere Teller und in unsere Mägen. Aber auch die größeren Plastikobjekte in den Meeren sind für die Tierwelt eine große Gefahr. Feuerzeuge und Zahnbürsten finden sich in den Mägen der Seevögel, die aufgrund des Mangels echter Nahrung im Magen verhungern. Treibende Plastikteile werden auch zur tödlichen Falle, wenn sich junge Meerestiere in Kunststoffteilen verheddern, die sie schließlich während des Heranwachsens erdrosseln, und ausgewachsene Tiere ertrinken, weil ihre Flossen durch Schnüre gefesselt werden.

 

Was können wir tun?

Das Problem: Mikroplastik ist klein, es müsste aus dem Meer gefiltert werden, was praktisch nicht umsetzbar ist, größere Objekte könnten großflächig abgefischt werden. Jedoch kommt es dabei wie bei herkömmlichen Fischerei zwangsläufig zu Beifang. Man muss fragen: Wie groß ist der Nutzen im Verhältnis zu dem Schaden, der dadurch entsteht?

Die gute Nachricht: Das Problem kann an Land gelöst werden. An Küsten und Flussmündungen, auf Märkten und in Haushalten. Wir haben es wirklich selbst in der Hand. Hier ein paar Tipps was jeder von uns tun kann:

  • Wählen Sie wiederverwendbar Produkte
  • Vermeiden Sie überflüssige Verpackungen aus Plastik
  • Ändern Sie ihr Verhalten – versuchen Sie unnötiges Plastik reduzieren
  • Recyceln – Reparieren, umgestalten, upcyceln
  • Spülen Sie keine Abfälle die Toilette hinunter
  • Werfen Sie Müll in die Mülltonnen und heben Sie herumliegenden Müll auf
  • Nehmen Sie an Müll Aufräumarbeiten teil

Das Thema Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll ist eine sehr relevante Thematik die noch immer zu wenig Beachtung findet. Es sollte uns nicht gleichgültig sein, dass möglicherweise im Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch im Meer schwimmt. Der Zoo und Aquazoo Schmiding will daher mit Infotafeln, Spezialführungen, Bildschirmpräsentationen und verschiedene zoopädagogische Programme, über dieses Thema informieren und auf die Problematik aufmerksam machen.

Downloads:

Plakat 1

Plakat 2

Plakat 3

OZO – Österreichsche Zoos gemeinsam für den Artenschutz

Die Österreichische Zoo Organisation (OZOwww.ozo.at) hat sich Arterhaltung und Naturschutz zum Ziel gesetzt. Mitglieder der OZO sind neben dem Zoo Schmiding der Alpenzoo Innsbruck, der Zoo Salzburg, der Tier- und Naturpark Schloß Herberstein, der Tiergarten Schönbrunn und das Haus des Meeres – Vivarium Wien.

Die OZO Zoos wollen beispielgebend und aktiv bestmögliche Wildtierhaltung in ganz Österreich fördern. Weitere Ziele und Aufgaben umfassen die Förderung der Anliegen des Tier-, Arten- und Naturschutzes, die Beteiligung an Forschungsaktivitäten zur Erhaltung der Artenvielfalt, die Ausbildung von Fachleuten im Zoobereich und die fachliche Unterstützung der Behörden. Letzteres umfasst auch die Förderung der Umsetzung der EU-Richtlinien, um den Schutz wildlebender Tiere und die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Vorschriften für die Betriebserlaubnis und Überwachung von Zoos zu gewährleisten.

Artenschutzprojekte der OZO

Schutzprojekt für den Dunkelsäger (Mergus octosetaceus)

Der Dunkelsäger ist einer der am meisten bedrohten Wasservögel der Welt und wird von der IUCN – der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen – als stark bedroht eingestuft. Der derzeitige Bestand wird auf nur 250 Individuen weltweit geschätzt.

Die Art ist lediglich in Serra da Canastra, Patrocínio, Chapada dos Veadeiros und Jalapão in Brasilien anzutreffen. Der Dunkelsäger bewohnt Flüsse und Bäche mit klarem Wasser, in denen reichlich Fisch vorhanden ist – seine primäre Nahrungsquelle. Um Fisch zu fangen, taucht er und nutzt dabei sein gutes Sehvermögen. Aus diesem Grund ist er äußerst anfällig gegenüber Wasserverschmutzung.

Das Chico Mendes Institut für den Erhalt der Biodiversität (ICMBio) gründete den PAN (nationaler Aktionsplan) für den Dunkelsäger, um diese Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Zielsetzung
Dieses Projekt hat es sich zum Ziel gemacht, die Population vom Dunkelsäger ex situ zu erhöhen, indem den Jungen bessere Überlebenschancen geboten werden, um das Erwachsenenalter zu erreichen. In der Natur überleben nur 10–20 % der Nachkommen und es ist noch nicht erforscht, was aus ihnen wird, nachdem sie ihre Eltern verlassen haben. In menschlicher Obhut, unter kontrollierten Bedingungen, liegt die Überlebensrate bei 80–90 %. Einmal erwachsen, werden sie verpaart und bilden eine Zuchtgruppe. Die Küken dieser Gruppe können von den Elterntieren in kontrolliertem Umfeld aufgezogen und als Erwachsene in ihr natürliches Habitat entlassen werden.

Methoden
Der Zoo Itatiba ist der einzige Zoo weltweit, der von IBAMA die Erlaubnis erhielt, Dunkelsäger-Eier von der Natur zu entnehmen. Die Eier werden von Spezialisten in mobilen Inkubatoren in den Zoo Itatiba verbracht, wo die Eier bebrütet und die Küken bis zum Erwachsenenalter aufgezogen werden. Anschließend wird eine Zuchtgruppe zusammengestellt, die mindestens 10 Paare umfassen sollte. Die Nachzucht dieser Gruppe soll allein von den Elterntieren aufgezogen werden und somit für die Rückführung in den natürlichen Lebensraum vorbereitet sein.

Der Zooparque Itatiba ist Mitglied des PAN und gemeinsam mit dem Manager Robert F. Kooij und dem Veterinärmediziner Alexandre Netto verantwortlich für das Einsammeln der Eier. Die im August 2014 eingesammelten Eier wurden dem Zooparque Itatiba übergeben und dort erfolgreich bebrütet – die weltweit erste Aufzucht von Dunkelsägern in Menschenobhut.

Updates:

Update 26.11.2015: OZO-update 26 11 2015 (003)

Update 30.9.2015: OZO-update 30 09 2015 (003)

 

Bartgeier Gypaetus barbatus

Verleumdet als Kinderräuber und Lämmerdieb, wurde der Bartgeier (Gypaetus barbatus) – ein harmloser Aas- und Knochenfresser – im 19. Jh. im Alpenraum ausgerottet. Zuchterfolge und Forschung im Alpenzoo führten zu einem internationalen Gemeinschaftsprojekt von Zoos und Naturschutzorganisationen mit dem Ziel der Wiederansiedlung des Bartgeiers.

1986 wurden die ersten jungen Bartgeier im Nationalpark Hohe Tauern freigelassen. Seither wurden insgesamt 150 (Stand 2008) in Volieren gezüchtete Bartgeier in vier Alpenländern ausgewildert. Die Entwicklung, Paarbildung und Vermehrung dieser „Zoovögel“ im alpinen Hochgebirge verlaufen so erfolgreich, dass bereits 44 Jungvögel (Stand 2007) im Freiland aufgezogen wurden.

 

Habichtskauz

Der Habichtskauz (Strix uralensis) ist nach dem Uhu die zweitgrößte EuleMitteleuropas und ähnelt im Aussehen dem kleineren Waldkauz. Auffälliges Artmerkmal ist ein „unerschrockener“ Charakter und damit  verbunden sehr geringe Fluchtdistanz im Freiland. Diese Eigenschaft begünstigte früher die Verfolgung durch den Menschen und dürfte zum Verschwinden der Art beigetragen haben. Außerdem führten forstliche Intensivierung und damit verbunden Habitatverlust zum Aussterben in Österreich. Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes ist die aktuelle Situation bedauerlich, denn die alpinen, österreichischen Vorkommen stellten eine essentielle Verbindung zwischen den Populationen im Süden (Slowenien/Italien) und dem Norden (Deutschland/Tschechische Republik) dar. Heute ist diese Brücke unterbrochen; zur Absicherung von Genfluss in der europäischen  Metapopulation wäre das alpine Vorkommen wichtig.

In den letzten Jahrzehnten verbesserten sich die Lebensbedingungen für den Habichtskauz – der Jagddruck sank und wertvolle Waldlebensräume stehen heute unter Schutz oder werden nachhaltig bewirtschaftet. Aus diesem Grund hat man sich entschieden ein Wiederansiedlungsprojekt zu starten. Der erste Schritt ist der Aufbau eines Zuchtnetzwerks. Momentan gibt es in Österreichs Zoos (inkl. privater Zuchtstationen) 17 Brutpaare. Zur Erweiterung der genetischen Basis ist die Einkreuzung neuer Blutlinien vordringlichstes Ziel. In Osteuropa werden Findlinge aus der Wildbahn immer wieder in Zoos abgegeben. Die OZO hat in dieser Angelegenheit eine Vermittlerrolle übernommen. Das Echo ist groß – mehreren Zoos ihre Unterstützung zugesagt. In den kommenden Wochen werden die ersten Wildvögel aus Slowenien und aus den Karpaten nach Österreich gebracht.

Zur Freilassung übersiedeln die jungen Käuzchen gemeinsam mit ihren Eltern an die Freilassungsorte. Dort können sie sich über mehrere Wochen in für sie errichteten Volieren akklimatisieren und ihre Umgebung kennen lernen. Im Spätsommer werden die Käfige geteilt; während die Elterntiere zur Zucht zurückbehalten werden, heben die Jungen lautlos in ihre neue Heimat ab. Ihre Eltern verbleiben noch eine Zeit im Gebiet. Ihre Gegenwart festigt die Ortsbindung der Jungeulen. Bereits im selben Herbst beginnt die Balz. Erstes Ziel ist es kleine Populationskeimzellen rund um die Freilassungsorte zu schaffen. Bleibt zu hoffen, dass die heurige Brutsaison produktiv ausfällt und die erste Freilassung im Sommer stattfinden kann.

 

Waldrapp

Der ehemals auch im Alpenraum verbreitete Waldrapp (Geronticus eremita) zählt heute zu den bedrohtesten Vogelarten der Welt. Im 19. Jh. wurden größere Kolonien in Nordafrika und der Türkei „wiederentdeckt“, aber auch hier verschwanden die Kolonien, verursacht durch direkte Verfolgung und durch Pestizideinsatz rasch. Ende der 80er Jahre gab es nur mehr eine kleine Kolonie von 50 Brutpaaren in Marokko und eine halbwilde Kolonie von 60 Vögeln in der Türkei. Inzwischen hat sich die Situation durch intensive Schutz- und Managementmaßnahmen erfreulich verbessert. In Marokko gibt es wieder an die 200 Brutpaare. In den Zoos wird der Waldrapp seit den 50er Jahren erfolgreich gehalten und nachgezüchtet. Das Verhalten und die Brutbiologie des Waldrapp wurden im Alpenzoo gründlich erforscht. Seit 1997 gibt es Forschungsprojekte, um eine Erfolg versprechende Wiederansiedlung des Waldrapp zu erarbeiten. Das waldrappteam.at versucht handzahmen Waldrappen eine Zugroute zu lehren. Die ersten Vögel haben erfolgreich die Wanderroute hinter sich gebracht und sind im folgenden Jahr auch wieder an ihren Ursprungsort zurückgekehrt. Die OZO unterstützt dieses weltweit einzigartige Forschungsprojekt sowohl finanziell als auch mit Waldrappküken.

Für ausführliche Informationen zum Waldrapp und seine Situation im Freiland und aktuelle Projekte besuchen Sie bitte die homepage der International Advisory group for the Northern Bald Ibis www.iagnbi.org

 

Projekt Batagur baska

Die Nördliche Batagur Flussschildkröte ist eine der bedrohtesten Wirbeltierarten weltweit. Sie ist als drittseltenste Schildkrötenart gelistet, und in einer von der IUCN 2012 publizierten Liste der 100 gefährdeten Arten (Pflanzen und Tiere) ist sie natürlich auch vertreten. Sie kann bis 60 cm Panzerlänge erreichen und hatte den Ruf, die Schildkröte mit dem schmackhaftesten Fleisch und den köstlichsten Eiern in Süd-Asien zu sein. Das führte dazu, dass die Nördliche Batagur Flussschildkröte extrem bejagt und ihre Eier in großer Stückzahl abgesammelt wurden.
Im Tiergarten Schönbrunn erfolgte im Jahr 2010 die Welterstnachzucht dieser Art. Gemeinsam mit dem Grazer Schildkrötenforscher Peter Praschag, der TSA (Turtle Survival Alliance) und einer NGO aus Bangladesh wurde das Artenschutzprojekt “Projekt Batagur baska“ initiiert. Mit Hilfe der Inderin Rupali Ghosh wurden die letzten überlebenden Batagur baska aufgespürt, angekauft und in 2 eingezäunten Teichen im Bhawal Nationalpark untergebracht. Derzeit leben dort 14 Männchen und 5 Weibchen – das sind circa 70 % der Gesamtpopulation dieser Art. Die Tiere haben in privaten Fischteichen überlebt, wo sie als Talisman gelten.

Die Suche geht unverdrossen weiter, da man mit nur fünf Weibchen auf Dauer keine stabile Population aufbauen kann. Mit Spendengeldern von Zoobesuchern, den Freunde des Tiergarten Schönbrunn und einer großzügigen Zuwendung der OZO wurden die Teiche im Bhawal Nationalpark schildkrötengerecht adaptiert und ein Tierpfleger und ein Stationsleiter angestellt. Im März 2012 legten die Weibchen erstmals Eier in den künstlich errichteten Sandstrand ab. Nach zwei Monaten schlüpften insgesamt 24 Jungtiere, die sich bisher großartig entwickeln. Die Freude über diesen ersten Erfolg ist natürlich groß. Auch wenn noch viele Jahre Arbeit vor uns liegen, um den Bestand dieser Art langfristig zu sichern, wissen wir jetzt, dass sich die Anstrengungen lohnen und wir die richtigen Maßnahmen getroffen haben.

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